Der Darm – die Wurzel unserer Gesundheit
TCM-Perspektive auf Verdauung, Immunsystem und Ernährung
In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gilt der Darm seit jeher als zentrales Organ für Gesundheit, Energie und Wohlbefinden. Auch die westliche Medizin wusste früher: „Aller Anfang sitzt im Darm.“ Heute rückt dieses Wissen wieder stärker in den Fokus. Denn viele chronische Beschwerden wie Autoimmunerkrankungen, Hautprobleme, Gelenkschmerzen, Erschöpfung oder psychische Belastungen haben ihren Ursprung im Darm.
Der Dünndarm – Aufnahme und Auswahl
Im Dünndarm wird entschieden, was der Körper aufnimmt und was nicht. Sind die Darmzotten im Dünndarm durch Entzündungen, Stress oder falsche Ernährung geschädigt, können Nährstoffe nicht mehr optimal aufgenommen werden.
Die Folge: Der Körper hat „kein Benzin mehr im Motor“, Müdigkeit, Mangelzustände und vielfältige Beschwerden entstehen.
Auch wichtige Enzyme wie Laktase sitzen in der Dünndarmschleimhaut. Intoleranzen (z. B. Laktose, Gluten) hängen daher oft direkt mit dem Zustand des Dünndarms zusammen. Gründliches Kauen und warme, gut verdauliche Nahrung entlasten ihn deutlich.
Der Dickdarm – Zentrum der Immunabwehr
Im Dickdarm lebt unsere Darmflora, Milliarden von Bakterien, die bis zu 95 % unseres Immunsystems steuern.
Menschen mit Übergewicht, Rheuma oder Autoimmunerkrankungen haben eine andere bakterielle Zusammensetzung als gesunde Menschen. Studien zeigen sogar, dass sich gewisse Erkrankungen durch eine Veränderung der Darmflora deutlich verbessern können.
Die Ernährung hat dabei einen enormen Einfluss:
Tierische Eiweisse nähren andere Bakterien als pflanzliche Ballaststoffe.
Zucker, stark verarbeitete Lebensmittel, Schwermetalle, Medikamente und Stress schädigen das Darmmilieu.
Gleichzeitig ist die Darmflora veränderbar, Ernährung ist hier der Schlüssel.
Ein gestörtes Darmmilieu kann zu schlummernden Entzündungen führen. Daraus kann ein Leaky-Gut-Syndrom entstehen. D.h. Die Darmwand wird durchlässig, Fremdstoffe gelangen in den Körper und überfordern das Immunsystem. Folgen daraus können Gelenkentzündungen, Hautprobleme oder Autoimmunreaktionen sein. Diese Symptome gehen fast immer mit Darmentzündungen einher.
Darm, Psyche und Immunsystem, alles hängt zusammen
Darm und Gehirn stehen in ständigem Austausch. Ein geschwächter Darm kann Depressionen, Angststörungen, Reizdarm oder Erschöpfung begünstigen und umgekehrt. Stress reduziert die Durchblutung der Darmschleimhaut, verändert die Bakterienzusammensetzung und hemmt die Verdauung. Auch Medikamente wie Antibiotika, Schmerzmittel, Schlaf- oder Psychopharmaka belasten den Darm nachhaltig.
Ernährung aus Sicht der TCM, Wärme nährt das Verdauungsfeuer
In der TCM ist das Verdauungsfeuer (Magen- und Milz-Qi) zentral. Nur mit genügend „innerer Wärme“ können Nährstoffe aufgenommen und Energie gebildet werden.
Grundregeln:
3-mal täglich warm essen, zumindest im Winter
Frühstück stärkt das Yang und gibt Energie für den Tag
Kalte Speisen, Rohkost, Tiefkühlkost und kalte Getränke schwächen das Feuer
Wärme bringt alles ins Fliessen – Kälte erzeugt Stau (auch bei Verstopfung oder Durchfall)
Therapieansatz: 2 Wochen ausschliesslich warm essen und schauen wies es einem geht, viele Beschwerden verbessern sich erstaunlich schnell.
Zucker, Milch & Gluten – weniger ist mehr
Zucker wirkt entzündungsfördernd, säurebildend und schädigt die Darmflora. Der Durchschnittsschweizer konsumiert ca. 120 g/Tag (früher waren es 30 g!)
Süssgetränke, Süssstoffe, Energydrinks meiden
Milchprodukte meiden, sie wirken kühlend und schleimbildend, viele Menschen vertragen sie schlecht. 70–80 % der Weltbevölkerung sind ab dem 3 Lebensjahr laktoseintolerant, dies ist eigentlich normal
Gluten (v. a. Weizen) kann Darmzotten schädigen und Entzündungen fördern. Gute Alternativen:
Reis, Kartoffeln, Polenta, Quinoa, Hirse, Buchweizen, MaisFruktoseprobleme betreffen etwa jeden Dritten, tritt aber oft bei grösseren Mengen auf. Zu viel Fruktose kann den Serotoninstoffwechsel stören dies kann sich in depressive Verstimmungen und Heisshungerattacken zeigen.
Therapieansatz: Milchprodukte oder Gluten 4 Wochen pausieren, dann langsam testen, was individuell verträglich ist. Darauf achten, ob man Fruktose verträgt
Darmaufbau – die Basis jeder Therapie.
Bei uns haben sehr viele Personen ein geschädigten Darm. Da unsere Böden ausgelaugt sind, unser Trinkwasser belastet ist, wir viel Stress und Druck haben. Wir essen häufig rohe und kalte Nahrungsmittel, viele Milchprodukte und viel Zucker. Daher braucht unser Darm unterstützung.
Bewährt haben sich:
Warm essen
L-Glutamin (nährt die Darmzotten)
Zink (Wundheilung)
Omega-3
Probiotische Bakterien (lebend!)
Stress reduzieren
Dies kann bereits nach wenigen Wochen eine deutliche Verbesserung bringen, besonders bei Reizdarm, Autoimmunerkrankungen, Erschöpfung, Long Covid oder psychischen Beschwerden.
Der Darm ist nicht nur ein Verdauungsorgan, sondern das Zentrum von Immunsystem, Energie, Psyche und Entzündungsregulation.
Die TCM-Ernährung bietet einfache, alltagstaugliche Prinzipien, mit denen sich Gesundheit nachhaltig stärken lässt:
Warm essen, weniger Zucker, weniger Gluten, weniger Milchprodukte, weniger verarbeitete Lebensmittel, mehr natürliche Lebensmittel
Bei diffusen oder chronischen Beschwerden lohnt es sich immer, beim Darm zu beginnen.
Hier ein kleiner Einblick was sie zu Hause unternehmen können.
Natürlich empfehle ich immer bei chronischen Leiden sich von einem Naturheilpraktiker begleiten zu lassen. In meiner Praxis unterstütze ich die Patienten noch mit individuellen Vitalpilzen und Teerezepturen, sowie Akupunktur und Tuina Massage.
Quellen: Mentoriat von Pascale Barmet